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Einstein verbindet

Ich habe mich schon öfters gefragt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, einer Person im Zug zu begegnen, die gleichzeitig Philosoph und Physiker ist, sich an den selben Tisch setzt wie ich und eine ebenso große Begeisterung für Albert Einstein teilt, welcher ebenso sowohl Physiker als auch Philosoph war.

Diese Frage konnte ich mir natürlich erst stellen, nachdem ich genau dieses denkwürdige Szenario erleben durfte, denn von allein hätte ich mir diese Möglichkeit wohl kaum ausmalen können. Ich befand mich nach einem langen Tag an der Uni auf der Heimfahrt, als ein junger Mann fragte, ob im Vierer noch Platz sei und sich dazusetzte. Ich kramte indes eine Zeitschrift aus, die ich einige Tage vorher gekauft hatte und seitdem sehr begeistert las. Dabei handelte es sich um eine Spezialausgabe einer wissenschaftlichen Zeitschrift, die sich rund um Einstein und seine physikalischen Errungenschaften drehte.

Nach einigen Minuten sprach mich der junge Mann auf die Zeitschrift an und wir kamen ins Gespräch über die Interpretation der Quantenphysik, Einsteins allgemeine Relativitätstheorie und die Grenzen der physikalischen Erkenntnis. Und schwups, waren wir auch schon bei der Philosophie angelangt. Das Gespräch ging noch etwas länger und war eines der interessantesten Gespräche, das ich je geführt habe.

Heraus kam, dass wir beide Physik und Philosophie studierten und ein Faible für die philosophische Betrachtung von Wissenschaft hatten. Wir waren uns einig darin, dass Einstein ein unheimliches Genie war und definitiv ebenso ein Philosoph wie Physiker war. Außerdem fanden wir beide die allgemeine Relativitätstheorie ziemlich abgehoben und extrem faszinierend zugleich. Zusammengefasst waren wir einfach sehr begeistert, uns mit jemandem austauschen zu können, der sich ebenfalls für diesen recht dünn besiedelten Themenbereich interessiert. Alles andere als die faszinierende Physik war in diesem Gespräch auch ziemlich egal- ich glaube, wir haben noch nicht einmal unsere Namen genannt.

Und obwohl uns in diesem Moment sehr viel verbunden hat, hätten wir verschiedener nicht sein können: Er, als „Bio-Deutscher“, als Sohn einer Physikerfamilie und eines Professors, der gar nichts von Philosophie hält. Und ich, als bedeckte Muslima mit Migrationshintergund und keinen Akademikern als Eltern, die jedoch das, was ich studiere, sehr spannend finden und hinter mir stehen.

Es ist schon faszinierend, wie derart verschiedene Menschen mit solch unterschiedlichen Hintergründen dennoch miteinander verbunden sein können- und dass wir durch solch zufällige Bekanntschaften diese Erkenntnis machen können.

Dies zeigte mir einmal mehr, dass die Menschen häufig nicht so verschieden sind wie es scheint und dass lediglich das, was in uns steckt, zählt, um dies zu erkennen. Vielleicht brauchen wir mehr von diesen zufälligen Gesprächen und Bekanntschaften, um unseren Horizont zu erweitern. Menschen, die sonst für uns unsichtbar sind, da wir ihnen keine Relevanz für unser Leben zuschreiben. Vielleicht sollten wir unsere Umwelt bewusster wahrnehmen und nicht ständig mit Handy und Kopfhörern herumlaufen… Wer weiß, wen man dann alles im Zug trifft?

Ich mein, Einstein war letztendlich auch ein ganz normaler Mensch, der mit der Bahn zur Arbeit gefahren ist… 😀

2 thoughts to “Einstein verbindet”

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