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bunte, leuchtende Laterne in der Nacht

Lass‘ Licht in Dein Herz

Es ist wieder soweit: Der Monat Ramadan hat begonnen und damit auch eine meiner Lieblingszeiten im gesamten Jahr. Für die meisten Muslime (wenn nicht sogar alle) ist der Monat Ramadan eine ganz besondere, heilige Zeit und wird Jahr für Jahr mit einer großen Vorfreude herbeigesehnt. Oftmals konnten meine nichtmuslimischen Freunde dies kaum nachvollziehen, wo doch die Bürde des täglichen Fastens jegliche Energie raubt und gleichzeitig den Hauptinhalt des Ramadans darstellt. Damit möchte ich aufräumen und die positive Energie, die ich persönlich aus dem Ramadan schöpfe, mit Euch teilen!

Das Fasten ist eine im Koran niedergeschriebene Pflicht für alle (dazu fähigen) Muslime, jedes Jahr im Monat Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu trinken und nichts zu essen. Dies ist jedoch nur eine Ebene des Fastens: Ebenso gehört dazu, in diesem Monat ganz bewusst die eigenen Neigungen, die sich u.A. in Form von Neid, Lästereien, Lügen oder Sexualtrieben zeigen, für eine gewisse Zeit zu zügeln und dadurch kontrollierter mit ihnen umzugehen. Somit fastet der Muslim nicht nur körperlich, sondern vor allem in einem gesitigen oder seelischen Sinne. Im islamischen Sprachgebrauch wird daher oftmals von einer „Erziehung“ der Seele oder des Charakters gesprochen.

Für solch eine Erziehung ist Disziplin notwendig: Zum einen dafür, bis zum Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts zu trinken und zum anderen dafür, bewusst auf das eigene Verhalten zu achten und in einem Dauer-Reflektionsmodus zu sein- was sich viel schwieriger gestaltet als der Verzicht auf Essen und Trinken. Somit trainiert das Fasten gleichzeitig das eigene Durchhaltevermögen. Durch die Umstände der heutigen Zeit sind wir es gewöhnt, unsere Triebe, bspw. den Hunger, schnell und ohne große Anstrengung zu befriedigen. Man hat Hunger, kauft sich nach Belieben im nächstgelegenen Supermarkt Lebensmittel ein und kocht sich etwas, ohne groß zu fackeln. Beim Fasten muss man jedoch warten und sich beherrschen; das sonst Selbstverständliche wird zu etwas Besonderem, das man durch Ausdauer und Verzicht erreicht.

Und da wären wir schon beim nächsten Punkt: Das Essen verliert im Ramadan seinen Status der Selbstverständichkeit. Man weiß es zu schätzen, abends eine Mahlzeit vor sich zu haben und erinnert sich daran, wie viel man hat und mit wie wenig man eigentlich auskommt. Diese Wertschätzung führt zu tiefer Dankbarkeit Gott gegenüber und ist ein zenrales Element, um die eigene Beziehung zu Gott in einem spirituellen Sinne auszubauen.

Denn das ist sozusagen die dritte und höchste Ebene des Fastens: Die eigene Spiritualität, die eigene Verbindung zu Gott zu stärken oder zu finden. Das kann durch die Vertiefung in das rituelle Gebet, durch Bittgebete, durch simples Gedenken, durch Dankbarkeit, durch ein inneres Gespräch mit Gott oder durch die Beschäftigung mit dem Koran geschehen. Jeder Mensch hat seine persönlichen Vorlieben hinsichtlich seines Zuganges zu Spiritualität.

Apropos Koran: Im Islam stellt der Monat Ramadan ein von Gott geheiligter Monat dar, der einen besonderen Status genießt. In diesem Monat wurde laut muslimischen Glaubens der Koran als Schrift der Offenbarung zum Propheten Muhammad herabgesandt und der Menschheit als Lebenskompass ans Herz gelegt. Deshalb spielt die Beschäftigung mit dem Koran eine wichtige Rolle während des Ramadans und viele Muslime nehmen sich in dem Monat vor, mehr über die Koranexegese zu lernen und sich eingehender mit der Botschaft des Korans zu befassen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Ramadans ist die Gemeinschaft. Durch das gemeinsame Fasten entsteht eine Zeit, in der die gesamte Familie am Tisch sitzt und gemeinsam isst. Gerade heutzutage ist dies nicht oft der Fall, da die Kinder zu unterschedlichen Zeiten von der Schule kommen und die Eltern größtenteils arbeiten. Daher wirkt sich das gemeinsame Fastenbrechen sehr oft positiv auf das Familienleben aus. Meistens bleibt es jedoch nicht bei einem gemeinsamen Essen im Kreise der engsten Familie: Verwandte, Freunde und Bekannte werden eingeladen, um das Fastenbrechen gemeinsam zu begehen. Auch in den Moscheen wird das Fasten gebrochen und im Anschluss gemeinsam gebetet. Dies alles schweißt die Menschen zusammen und hat zumindest in meinem Fall stets einen sehr positiven Einfluss auf mein Inneres gehabt.

Insgesamt ziehe ich sehr viel Positives aus dem Ramadan. Ich tanke Energie in ganz vielen Hinsichten: Mein Körper entschlackt sich, ich treffe Freunde und Familie, ich lerne mich selbst und meine Stärken/Schwächen besser kennen und gewinne die für mich essentielle Spiritualität. Ich tanke pure Lebensenergie, mit der ich gut ausgerüstet in die nächsten Monate starten kann! Denn das ist der Zweck des Ramadans: das Gelernte in diesem intensiven Monat in den darauffolgenen Monaten anzuwenden und weiterzuführen, sich neu zu definieren und die gemachten Vorsätze zu realisieren. Der Ramadan ist nicht mit dem Zuckerfest zu Ende, sondern sollte bis zum nächsten Jahr „weiterleben“ und den Menschen zum Besseren hin inspirieren. Und dementsprechend assoziiere ich mit dem Wort „Ramadan“ immer ein Meer an Lichtern- inspirierend, wegweisend und erleuchtend; eine Reise in das eigene spirituelle Herz…

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