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Eröffnung der Herzen

Es ist wieder soweit: Der Fastenmonat Ramadan ist angebrochen. Und somit die lang ersehnte, lichtgefüllte Zeit der Spiritualität und des verstärkten In-Sich-Gehens. Ramadan zu praktizieren bedeutet nicht nur, dass der gläubige Mensch körperlich fastet- vielmehr geht es um die innere Reinigung, um das Befreien des Herzen von allem Schlechten, das sich seit dem letzten Jahr dort angesammelt hat, sodass nur noch Gott im Herzen haust. Um dies zu erreichen, gibt es viele Wege und Mittel, und jeder Mensch entwickelt denke ich im Laufe der Zeit seine eigenen Präferenzen. Ein Mittel, das unter Muslimen sehr häufig genutzt wird, ist das Bittgebet. Dabei wendet man sich aufrichtig Gott zu, bittet Ihn um das, was einem auf dem Herzen liegt und dankt Ihm für all die Zuwendungen und Gaben, für seine Barmherzigkeit und Liebe. Bittgebete kann sich jeder selbst ausdenken und in seiner Sprache an Gott richten. Es gibt aber auch einige überlieferte Bittgebete von der Familie und den Gefährten des Propheten.

In shiitischen Kreisen ist das regelmäßige Rezitieren von überlieferten Bittgebeten sehr weit verbreitet. Eines dieser Bittgebete wird traditionell an jedem Tag im Ramadan verlesen und besteht hauptsächlich aus der Lobpreisung und dem Bitten Gottes. Das Bittgebet trägt den Namen „Al Iftitaah“ -zu deutsch „die Öffnung“- und wird meistens als Bittgebet zur Öffnung der Herzen bezeichnet. Ich möchte hier einen Ausschnitt teilen und einen kleinen Einblick in die Schönheit und spirituelle Tiefe dieser Worte geben, die mich immer wieder (vor allem im arabischen Original) in ihren Bann ziehen.

Auf dass sich unser Herz für die Liebe und Barmherzigkeit Gottes öffnet und uns Ihm, dem Erhörer der Bittgebete, ein Stückchen näher bringt.


 

 

O Herr!

Du lädst mich ein, doch ich wende mich ab,

Du näherst Dich mir, doch ich beachte Dich nicht.

Du zeigst mir Deine Zuneigung, doch ich entgegene sie nicht-

Als wäre ich höher gestellt als Du!

 

Und doch hat Dich das nicht daran gehindert,

mir gegenüber gnädig und gütig zu sein,

mir von Deiner Wohlgefälligkeit und Großzügigkeit reichlich zu schenken.

So bitte erbarme Dich Deinem unwissenden Diener,

und schenke ihm die Gunst Deiner Güte,

denn wahrlich, Du bist großmütig und großzügig.

 

Alles Lob gebührt Allah,

dem Herrscher über das Reich,

Versetzer von Himmel und Sternen,

Herrscher über die Winde,

Anbrecher des Morgens,

Herr des jüngsten Tages

und Herr aller Welten.

 

Alles Lob gebührt Allah,

für Seine Nachsicht trotz Seiner Allwissenheit,

für Seine Vergebebung trotz Seiner Allmacht,

für Seine Bedachtsamkeit trotz Seines Zorns,

denn Er ist fähig, zu tun, was Er will.

 

Alles Lob gebührt Allah,

dem Schöpfer aller Geschöpfe,

dem Verbreiter des Unterhalts,

dem Innehabenden von Pracht, Großzügigkeit,

Güte und Freigiebigkeit.

Er ist fern und wird nicht gesehen,

und doch so nah, dass er das geheime Flüstern hört.

Heilig und erhaben ist Er!

 

Alles Lob gebührt Allah,

Der mir antwortet, wenn ich Ihn rufe,

Der jede Schande bei mir trotz Ungehorsam verdeckt,

und Der mir größte Gunst trotz Undankbarkeit erweist.

 

Wie oft hat Er mir schöne Gaben zukommen lassen,

mich vor großen Gefahren bewahrt,

und mir prächtige Freude gezeigt?

 Daher lobpreise ich ihn in Dankbarkeit

und gedenke Ihm in Begeisterung!

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